MWK Stipendium Wandrelief März 2022

Stipendienprojekt für das Land Baden-Württemberg 2021/2022

Was bisher geschah  . . .

Mein Atelier befindet sich in Ispringen, nahe Pforzheim am Fuße des Schwarzwalds und somit in Baden-Württemberg. Das Atelier befindet sich im Erdgeschoss eines denkmalgeschützten ehemaligen Schul- und Rathauses von 1872.
Hier entstanden im Jahr 2020 die ersten Skizzen, Entwürfe und Schablonen im Maßstab 1:1 für mein erstes raumgreifendes Wandrelief aus Glas.

Im Jahr 2020 war es mir möglich ein raumübergreifendes Wandrelief aus Glas zu erarbeiten. Die zu bespielende Fläche umfasste circa 6 Meter in der Breite und 2,5 Meter in der Höhe. Sechs unterschiedliche amorphe Formen die sich teilweise an den Enden aus der Fläche heben oder sich aus der Fläche ausstülpen sind hier positioniert.

. . .  MWK Stipendienprojekt 2021/22

Mein aktuelles Wandrelief entstand von Juli 2021 bis März 2022 mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg in Form eines Projektstipendiums zur Förderung der künstlerischen Praxis. Auch hier begannen die Vorarbeiten in meinem Atelier. Aus farbigen Pergamentbogen habe ich dabei Formen und Texturen geschaffen, die ich durch Überlagerung und Anordnung zu einem Wandrelief gestaltete.

Um in diesen Dimensionen arbeiten zu können bin ich auf außergewöhnlich große Brennöfen und professionelles technisches Know-How angewiesen. Die Glasmalerei Peters Studios in Paderborn ist dabei eine international renomierte Adresse und Anlaufstelle für Künstler*innen aus aller Welt.

 

Hier ein Auszug aus deren Selbstdarstellung auf www.glasmalerei.de:

"Wir sind ein Familienbetrieb, geleitet nun schon in dritter und vierter Generation, inzwischen seit über 100 Jahren. Unsere Werkstatt hat sich neben der Bewahrung, Pflege und Verfeinerung alter Kunsthandwerkstraditionen im Sakral- und Profanbereich auch den ausgefallenen, innovativen Techniken der heutigen Zeit verschrieben. Und getreu unserer Maxime "Plus Ultra" gehen wir immer wieder gern einen oder auch mehrere Schritte weiter und experimentieren für Sie."

 

Ich hatte im März 2022 eine Arbeitswoche bei Peters Studio für meine Arbeiten gebucht. Dabei konnte ich auch die Entwürfe für ein neues Wandrelief im Rahmen meines MWK Stipendiums realisieren.

Zunächst werden dabei meine entworfenen Glasformen im CAD-System von Peters Studios erfasst. Mit diesen erstellten CAD-Dateien schneidet ein mit Wasserstrahltechnik ausgestatteter Betrieb die 10 mm starken Glasformen akurat in Form.

Während meiner Arbeiten in den Peters Studios helfen mir unterschiedliche "Coaches" dabei, meine Entwürfe zu realisieren. Für diese Interpretation der Glaskunst sind die Techniken des Handwerks von herausragender Bedeutung. Oft ergänzen sich dabei Versuch und Irrtum mit herausragender kunsthandwerklicher Erfahrung und Profession..

Vorbereitende Arbeiten

Anhand der geschnittenen Papierschablonen im Maßstab 1:1 forme ich mit einem speziellen Gips ein Model auf der Grundfläche des Brennofens. Über diesem Model wird das Glas beim Brennvorgang abgesenkt, um die Dreidimensionalität zu erreichen. Die Brennöfen haben Grundflächen von ca. 2 x 5 Metern bis 3 x 6 Meter und darüber hinaus..
Nach den Auflegen der Gläser wird ein Fusingbrand mit bis zu 800 °C mit der passenden Brennkurve gestartet, um das Glas zu verformen und wieder langsam abzukühlen. Ein solcher Vorgang benötigt zwischen 20 und 30 Stunden.

Inhaltliche Schwerkunkte

Den Umgang mit Formen und deren Präsenz in diesen Dimensionen wollte ich schon lange erleben und umsetzen.

Der Ausdruck einer Form ist wesentlicher Bestandteil meiner Arbeiten. Bisher habe ich die Umsetzung in der Linienführung bei großen Bleiverglasungen, in der Malerei mit Pigmentfarben und Flächen oder im kleinen Format in der Glasschale realisiert.

Die Farbe unterstützt dabei die Form. 

So empfängt der Betrachter eine Information nicht durch Sprache sondern durch Emotion. Der Betrachter nimmt die Information über das Auge auf und interpretiert sie entsprechend seiner Konstitution und seiner Erfahrungen.

Der Werkstoff Glas bietet auch haptische Erlebnisse durch seine verschiedenartigen Oberflächen, die glatte, kühle Oberfläche oder die samtweiche, schmelzende gegen die raue, angegriffene Oberfläche. Manche Oberflächen sind durch reliefartige Sandsrahlung bearbeitet und reihen sich so in die habtische Vielfalt ein.

Künstlerische Aspekte

Die besprochenen Grundformen dieses Projekts werden durch Verformungen in eine dritte Dimension ergänzt. Es entstehen Faltungen wie auch Bonbierungen um weitere optische und haptische Reize zu erzielen.

Hinzu kommt jetzt auch die Farbe, es ist eine Farbpalette von ruhigem Ockergelb welches sich im Durchlicht dann als rotglühend erweist.
Ein leuchtend zartes Zitronengelb zeigt sich mir als frisch und energetisierend.

Die Kombination aus kräftig leuchtend hellem Gelb mit einem frisch gebackenem Ziegelrot versprüht Kraft und Tatendrang.

Ein sanfter opaker Braunton erdet. Im Zusammenspiel und der Anordnung der Formen und Farben entsteht jetzt ein Ganzes – das endgültige, ästhtische Werk mit seiner Gesamtaussage.

 

Der nächste Schritt ist die Bemalung der Gläser. Für dieses Relief habe ich Silber- und Kupferbeizen gewählt. Diese Beizen werden von Glasmalern in Schutzanzügen in entsprechenden Spritzräumen via Airbrush aufgetragen. Es sind besonders empfindliche Beizen die bei kleinen Veränderungen schon unterschiedlich reagieren. Auch dieser Brennvorgang mit circa 600 °C und seiner entsprechenden Brennkurve nimmt ca. 24 Stunden in Anspruch.
Nach dem Brand werden die Gläser gewaschen, um das Trägermaterial der Beizen abzuwaschen. Erst jetzt zeigt sich das Ergebnis.
Für Reliefstrahlungen mittels Sandstrahl wird das Glas mit stabilen Folien beklebt, die zu strahlenden Formen aufgezeichnet und händisch ausgeschnitten. In der Sandstrahlanlage werden dann die Strukturen ausgestrahlt oder nur mattiert.

Mögliche Weiterentwicklungen

Bei der Arbeit  in einem Projekt entstehen immer neue Ideen die entweder durch besonders gut gelungene Details oder durch Versuch und Irrtum entstanden sind. So kommt es zu einer stetigen Weiterentwicklung und dem Wunsch dieses Thema weiter zu verfolgen.
Das Stipendium des Landes Baden-Würtemberg hat mir dies ermöglicht und dafür möchte ich mich aufs herzlichste bedanken.